Lippard: Today's Special auf LP
Today's Special
Die gute alte Vinyl - Langspielplatte.
Sie können den Titel schon jetzt bestellen. Versand an Sie erfolgt gleich nach Verfügbarkeit.
Vinyl liefern wir innerhalb Deutschlands immer portofrei.
- Label:
- Shelter
- Artikelnummer:
- 12912704
- UPC/EAN:
- 0788362412609
- Erscheinungstermin:
- 30.10.2026
»Today's Special« von Hanne Lippard und Renato Grieco ist eine Suite aus Sprachwerken, die Melodie und Diktion miteinander verschmelzen und das Literarische mit dem Akustischen in einem Liedrepertoire vereinen, das sich an der Melodie der Stimme und den Akzenten einer strukturierten Komposition erfreut.
Indem sie sowohl in der tonalen Komposition als auch in der Rhetorik eher mit Methoden der Reduktion als mit Opulenz arbeiten, verbindet jedes Stück das Poetische mit dem Musikalischen durch kompositorische Schemata und Methoden. Es ist wichtig zu betonen, dass es hier kaum bis gar keine Improvisation gibt; stattdessen hat das Duo Matrizen, Regeln und strukturelle Verbindungen geschaffen, die einen sinnvollen Austausch zwischen ihren beiden Praktiken ermöglichten. Lippards Texte sind eine Sammlung neuer und bereits früher entstandener Werke.
In diesen erfreut sie sich, wie für ihr Schaffen typisch, am unbeschwerten Vergnügen von Wortspielen, sich wiederholender Sprache und dekontextualisierten Anekdoten, wie im Eröffnungsstück »Portrait of a Betrayal« - einem Stück über den Verlust eines Handys und die Art und Weise, wie dieser den Besitzer, der es fallen ließ, verfolgte, basierend auf einer selbst erlebten Begebenheit. Griecos Instrumentierung arbeitet mit Lippards Sprachkunst als eine Art akustischer Typografie. »Ich habe Grafikdesign studiert und denke darüber nach, wie man Typografie durch die Stimme ausdrücken kann«, sagt sie. »Renatos Einsatz der Viola da Gamba wirkt wie eine Unterstreichung oder wie die Pinselstriche einer Schriftart - auf eine Weise, die sich typografisch anfühlt.« Dabei findet die klassisch ausgebildete Komponistin Grieco oft die Tonhöhenbewegungen von Lippards Stimme und greift sie auf - die Intonation wird gespiegelt und offenbart, die sprachliche Bedeutung durch gezupfte, gestrichene oder gezupfte Saiten verdoppelt und beschattet. Sein Hauptinstrument ist die Viola da Gamba - das Instrument, das aufgrund seines Tonumfangs und seiner Fähigkeit, Tonfall und Klangfarbe nachzuahmen, als der menschlichen Stimme am nächsten gilt. Hier bringt er sie der Stimme noch näher und schafft Strukturen, durch die sie sich mit und um Lippard herum bewegt. Außerdem spielt er Klavier und Wurlitzer und begleitet sie beim Sprechen auf »Receiver« sowie im Gespräch für den letzten Track »The Black Rose«. »Hannes Stimme ist die Stimme einer Künstlerin, verkörpert als das Kunstwerk selbst«, sagt er. »Aber während mein Ansatz aus der Perspektive eines Komponisten erfolgt, dreht sich bei ihr alles um Rhetorik und Sprache. In diesem Sinne haben wir aufeinander zugearbeitet: Hanne hat einen Raum gefunden, um meine Stimme willkommen zu heißen, und ich habe einen akustischen Raum entworfen, um ihre stimmliche Persönlichkeit zu unterstreichen.« In manchen Stücken sind die strukturellen Verbindungen offensichtlich - die aufeinander abgestimmte, sprudelnde Darbietung und die stufenweise Tonhöhenentwicklung von Stimme und Klavier in »Aficionado« klingen wie zwei beschwipste Freunde, die eine Treppe hinuntergehen. In anderen, wie dem Dreiteiler »Three Rungs Ladder«, der nach Regeln aus Kinderreimen strukturiert ist, oder dem kumulativen Lied (ähnlich wie bei den »12 Days of Christmas«). Für die Stücke »Colour 1« und »Colour 2« arbeitete das Duo mit Farbpaletten, die mit Harmoniegruppen verknüpft waren, was die Kraft des Wortes und seiner Artikulation unterstrich. Das absurde »Labradorable« verkörpert einen Menschen, der es allen recht machen will; »A Story About Being Blue« ist ein imaginärer, verspielter Monolog des Supercomputers »Deep Blue« - der in singendem Stop-Motion-Stil darum bittet, Debbie und Larry genannt zu werden -, während Grieco dies in einer sachlichen Reportage widerspiegelt. »Hurtbeat« zerlegt und setzt eine getwitterte Nicht-Entschuldigung eines russischen Kunstsammlers über den Besitz eines rassistischen Kunstwerks neu zusammen, wobei Grieco Lippard nachahmt und aus den Resonanzen zwischen dem Duo einen dritten »Schlagschatten«-Darsteller entstehen lässt - eine typografische Neuartikulation des Ausgangsmaterials. »The Receiver« enthält Zeilen aus Robert Ashleys »Improvement« (Don Leaves Linda); Ashley gilt gewissermaßen als geistiger Vater der auf »Today's Special« enthaltenen Praktiken und wird hier so eingefügt, als würde er zitiert und in der hörbaren Welt des Stücks in einem Palimpsest aus entlehnten Sätzen weitergeschrieben. Der abschließende Track »The Black Rose« enthält seine eigene selbstbewusste Komik: ein leicht verzerrtes Gespräch, das aus einem Reddit-Thread darüber stammt, ob schwarze Rosen existieren, aufgenommen, als wäre es ein Internetradio oder ein Low-Budget-Podcast, wobei der lockere Austausch durch die vorgetragene Plattitüden wie aus einem Skript wirkt. »Today's Special« entstand vor Ort im Laufe einer Reihe kleiner Residenzen - in der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo, Rom; der Fondazione Morra, Neapel; bei Callie's, Berlin. In diesen begrenzten Zeiträumen, die selten länger als eine Woche dauerten, entwickelten Lippard und Grieco Strategien für die Werke und hielten sich dabei streng an musikalische Konzepte. Für Grieco geht es dabei darum, eine solide, bedeutungsvolle Verbindung innerhalb der Kompositionen aufrechtzuerhalten und sicherzustellen, dass alles einen Daseinszweck innerhalb des Werks hat. Jedes Element leistet seinen Beitrag; hat etwas zu sagen, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Genauso wie Lippards Arbeit ihr keinen Platz zum Verstecken lässt, möchte er, dass die Musik mit ihrem eigenen, unverhüllten Zweck existiert: »Es geht darum, durch reduzierte Mittel Nacktheit offen zu legen«, sagt Grieco. »Das ist eine Form von Mut, die wir annehmen wollen. Sobald wir alles abgelegt haben, muss es extrem präzise sein, um eine Verbindung zum Publikum aufrechtzuerhalten. Wir haben heute viele Mittel, hinter denen wir uns verstecken können, um uns selbst und unsere Identität als Künstler, Darsteller und ganz allgemein im Leben zu schützen. Das ist etwas, was ich nicht tun will. Ich will extreme Reduktion: kein Verstecken.«
Tracklisting
LP
-
1 Portrait Of A Betrayal
-
2 Aficionado
-
3 Page Sixty One
-
4 Possible Side Effects
-
5 How To Clean Feet
-
6 Labradorable
-
7 Hurtbeat
-
8 Receiver
-
9 Traditional Colours Of France I
-
10 A Story About Being Blue
-
11 Traditional Colours Of France Ii
-
12 The Black Rose