Dagmar Rheinberg: Dagmar, ruf mich bitte mal an. Es geht um den Rock., Gebunden
Dagmar, ruf mich bitte mal an. Es geht um den Rock.
- Ein Buch über Abschied, Nähe und das Weiterleben in unseren Geschichten. Einfühlsame Erinnerungen einer Tochter über Demenz, Pflegeheim, Mutter¿Tochter¿Bindung und liebevolles Loslassen.
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- Verlag:
- tredition, 09/2026
- Einband:
- Gebunden
- Sprache:
- Deutsch
- ISBN-13:
- 9783384936615
- Artikelnummer:
- 12921432
- Umfang:
- 200 Seiten
- Gewicht:
- 358 g
- Maße:
- 216 x 135 mm
- Stärke:
- 19 mm
- Erscheinungstermin:
- 9.9.2026
Klappentext
In ihren letzten Jahren schlief Mutter viel. Wenn sie erwachte, war sie oft irgendwo anders: in einer Besprechung mit Pfarrer Petersen, als Kind im Keller während des Krieges oder im Garten in Krefeld. Ich saß neben ihr, hielt ihre Hand und begleitete sie in diese Welt, die mir fremd war und doch vertraut wurde, weil sie mir darin Rollen zuteilte: Mutter, Ärztin, Pflegekraft. Ein Spiegel für ein Leben, das langsam verblasste. Zehn Jahre lebte sie im Pflegeheim. Zuvor wohnte sie allein, stürzte häufig und vergaß das Essen auf dem Herd. Nach einem schweren Sturz wurde klar, dass sie nicht mehr allein leben konnte. Am liebsten wäre es ihr gewesen, wenn wir zusammengezogen wären. Doch ich spürte, dass ich diesen Weg nicht gehen konnte. In den ersten Jahren im Pflegeheim konnte sie sich mit dem Rollator bewegen. Ich besuchte sie so oft wie möglich. Wir hielten ihr Zimmer in Ordnung, gingen zu Veranstaltungen und Gottesdiensten. Einige Jahre war sie im Bewohnerbeirat, wurde von der Heimleitung oft um Rat gefragt. Ihren 94. Geburtstag feierten wir noch mit Gästen. Kurz darauf begann die Coronapandemie. Pflegeheime wurden geschlossen, Besuche eingeschränkt. Veranstaltungen fielen aus, Bewohner mussten in ihren Zimmern bleiben. In dieser Zeit veränderte sich ihr Zustand. Sie schlief viel, hörte und sah schlechter, wollte keinen Fernseher mehr. Oft saß sie da und war in Gedanken irgendwo in ihrem Leben unterwegs. Wenn ich sie fragte, sagte sie: "Ich gehe in meinem Leben spazieren." Immer häufiger blieb sie beim Erwachen in einem Traum gefangen. Dann glaubte sie, wieder ein Kind zu sein, und erzählte von Erlebnissen, die für sie real waren. Irgendwann erkannte sie mich nicht mehr sofort. Manchmal blieb ich ihr den ganzen Nachmittag über eine Fremde. Wenn sie meine Hand wegzog oder einen Kuss abwies, tat das weh, auch wenn ich wusste, dass es nicht gegen mich gerichtet war. Um verbunden zu bleiben, musste ich einen Weg finden, sie zu erreichen: Verständnis für ihre Welt, sie dort abholen, wo sie war, mich einlassen auf ihre Traumwelten, nicht korrigieren, sondern da sein. Ich hörte zu, wenn sie von Nächten im Kriegskeller erzählte, von Weihnachtsfesten ihrer Kindheit, ihrer jüdischen Freundin oder einem Sommerfest im Kindergarten. Ihre Worte entsprachen keinem Jetzt, doch ihre Gefühle waren echt. Mein Mitgefühl wurde zur Brücke zwischen ihrer Welt und meiner. Manchmal erkannte sie mich noch, und wir konnten uns im Hier und Jetzt sprechen. Diese Momente wurden seltener. Als Mutter langsam verschwand, verschwand unsere Beziehung nicht. Sie wurde eine neue - stiller, inniger, wahrer. Als ihr letzter Atemzug verklang, endete ihr Leben, doch nicht unsere Verbindung. Die Liebe blieb. Dieses Buch erzählt von der Suche nach einem Weg zu einem geliebten Menschen, der sich langsam in seine eigene Welt zurückzieht - und davon, wie man ihn liebevoll begleiten kann. Es ist eine Sammlung von Erinnerungen aus einem langen Leben. Die Kapitel folgen keiner Chronologie; einzig der Umzug nach Bayern markiert einen zeitlichen Abschnitt. Die Dialoge basieren auf Erinnerungen meiner Mutter. Wo Lücken waren, habe ich sie behutsam ergänzt - als Annäherung an gelebte Wirklichkeit.
Anmerkungen:
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