Orchestre National De Jazz: With Carla (Bley) auf 2 CDs
With Carla (Bley)
Herkömmliche CD, die mit allen CD-Playern und Computerlaufwerken, aber auch mit den meisten SACD- oder Multiplayern abspielbar ist.
(soweit verfügbar beim Lieferanten)
- Label:
- ONJ
- Aufnahmejahr ca.:
- 2025
- Artikelnummer:
- 12759571
- UPC/EAN:
- 3521383505328
- Erscheinungstermin:
- 10.7.2026
- Gesamtverkaufsrang: 2048
- Verkaufsrang in CDs: 1069
Die Auseinandersetzung mit Carla Bleys Musik ist nie trivial – besonders nicht für eine Institution wie das Orchestre National de Jazz –, denn die Künstlerin hat sich zeitlebens gegen Akademismus und Konformismus gewehrt, sei es in ihrem musikalischen Schaffen, ihrem Karriereweg oder ihrer Öffentlichkeitsarbeit. Für unser großes Ensemble gleicht die Beschäftigung mit ihren Partituren daher der Einnahme eines Gegenmittels und zugleich einer kräftigen Dosis Vitamine.
Das Werk von Carla Bley – eigenwillig, untypisch, meisterhaft, oft humorvoll, bisweilen respektlos und doch tiefgründig – inspiriert uns dazu, Gegensätze zu überwinden. Ohne jemals abstrus oder vulgär zu wirken, entwickelte sie jene „edle Fäulnis“ (die für die besten Weine unerlässlich ist), indem sie sich sowohl aus der notierten Musik als auch aus der sogenannten „Populärmusik“ bediente; so zieht sie bis heute ein breites Publikum in ihren Bann. Indem das ONJ unter der Leitung von Sylvaine Hélary diese 2023 verstorbene, herausragende Künstlerin würdigt, übernimmt es das Erbe und trägt es voller Stolz weiter, denn es respektiert sowohl den Geist als auch den Buchstaben von Carla Bley. Statt bloßer, prosaischer Neuinterpretationen sind Rémi Sciutos Arrangements und Kompositionen vielmehr als Erweiterungen zu verstehen. Die hier präsentierten Stücke gleichen somit einer musikalischen Anreicherung, in der sich die doppelte Präsenz der Komponistin manifestiert: Da ist zum einen die Carla Bley der Vergangenheit, deren Kompositionen hier heraufbeschworen werden – aus der reinen Freude am Wiederhören ebenso wie aus Respekt vor der Bedeutung eines künstlerischen Schaffens, das die Grenzen des Jazz sprengt. Und dann ist da die Carla Bley der Gegenwart, deren Musik eine provokante Relevanz besitzt: „Provokant“ im Sinne von „Impuls gebend“ – als Funke, der Rémi Sciutos Fantasie und Vorstellungskraft entfachte und seine eigene Jazz-Handschrift weiter festigte; aber auch „provokant“ als Aufforderung zum Handeln, als Herausforderung, akzeptierte Normen zu erweitern oder gar zu überschreiten – ein Ansatz, der keineswegs oberflächlich ist. Denn wie Leonard B. Meyer in seinem Buch „Emotion and Meaning in Music“ darlegte, entstehen Emotionen in der Musik aus Erwartungen, die durchkreuzt, verworfen oder verschoben werden. Emotionen entstehen gerade durch den Bruch mit den üblichen Erwartungen, die an einen Stil oder ein Genre geknüpft sind – mit anderen Worten: durch die Kunst des musikalischen Rätsels –, da der Hörer so in der Lage ist, die Distanz zwischen der Norm und dem Außergewöhnlichen zu ermessen.
So spiegelt sich Carla Bleys doppelte Präsenz in dem zweifachen Genuss wider, den diese Aufnahme bereitet: Der Hörer erkennt und spürt, in welchem Maße sich die Komponistin und Mitkomponistin über Konventionen hinwegsetzen, um diese wirkungsvoll zu unterlaufen und aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten – woraus ein originelles, unvergleichliches Werk erwächst.
In seinem bedeutenden Essay The Passion for Music legt Antoine Hennion dar, dass musikalische Identität durch ein komplexes Geflecht vermittelnder Elemente – materieller, technischer, diskursiver und sozialer Art – konstruiert wird, die gemeinsam die Einzigartigkeit eines musikalischen Projekts definieren. In diesem Sinne ist musikalische Identität kein festes Wesen, sondern ein Prozess ständiger Konstruktion; die Herausforderung besteht darin, einen „Abschnitt erfolgreich zu durchlaufen“ und aus vielfältigen, heterogenen Vermittlungsinstanzen ein stimmiges, wiedererkennbares Ganzes zu schaffen. Genau darin – in der Weitergabe einer musikalischen Leidenschaft – liegt der große Erfolg dieser liebevollen Hommage an Carla Bley, dargeboten von der neuen Besetzung des Orchestre National de Jazz.
Disk 1 von 2 (CD)
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1 Musique Mecanique
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2 Preludvi
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3 Utviklingssang
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4 Ups And Downs
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5 ...And Ups Again
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6 In India
Disk 2 von 2 (CD)
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1 Wrong Key Donkey
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2 Hypotheses...
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3 Exaltation
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4 Religious Experience
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5 Major
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6 End of Vienna