Dunkel liegt die Zukunft vor uns, Kartoniert / Broschiert
Dunkel liegt die Zukunft vor uns
- Das geheime Kriegstagebuch des Siemens-Managers Hans Henning von Pentz
(soweit verfügbar beim Lieferanten)
- Herausgeber:
- Volker Hildisch
- Verlag:
- Seume, J.G., 03/2026
- Einband:
- Kartoniert / Broschiert
- Sprache:
- Deutsch
- ISBN-13:
- 9783982587820
- Artikelnummer:
- 12621404
- Umfang:
- 428 Seiten
- Altersempfehlung:
- 15 - 100 Jahre
- Gewicht:
- 580 g
- Maße:
- 210 x 140 mm
- Stärke:
- 30 mm
- Erscheinungstermin:
- 6.3.2026
- Serien:
- Seume Passagen. Biographien , Literarische Spaziergänge
Klappentext
"Meine klare Erkenntnis über die tiefe Unmoral von Hitler und seinen Mitarbeitern setzte von vornherein ein. Zunächst hatte ich die Hoffnung, dass dieses Regime sich nur ein bis zwei Jahre halten würde. Diese Hoffnung gründete sich im Wesentlichen darauf, dass die Leitung der Wehrmacht, die oberen Beamten, die Wissenschaft und die Industrie diesen Weg nicht lange mitgehen, in Opposition treten und das System abschütteln würden. Hierin habe ich mich getäuscht." Diese eindrucksvollen Sätze schreibt ein Zeitzeuge in sein Tagebuch, dem man es von seinem Stand und seiner Herkunft nicht unbedingt zugetraut hätte. Hanns Henning von Pentz (1890 - 1982) entstammte einem alten mecklenburgischen Adelsgeschlecht, kämpfte als preußischer Offizier im 1. Weltkrieg in Frankreich und war ab 1933 Vorstandsmitglied der Siemens-Plania Werke AG, einem Unternehmen für Kohlefabrikate wie Graphitelektroden in Berlin-Lichtenberg, Ratibor (Schlesien) und Meitingen (Bayern). In seinen Aufzeichnungen hält er seine persönlichen Gedanken, Beobachtungen und Reflexionen über die Ereignisse in den Jahren 1939 bis 1945 fest. Seine Nachfahren haben die Tagebuchaufzeichnungen dem Journalisten Volker Hildisch zur Auswertung überlassen. Der Seume-Verlag möchte die von ihm bearbeitete Fassung als Buch veröffentlichen, das neben der Kommentierung von Kriegsereignissen auch Beobachtungen des täglichen Lebens, Sorgen und Ängste um die Familie und Begegnungen mit Freunden und Bekannten enthält. Hans Henning von Pentz war verheiratet mit Wilhelmine von Windheim (in den Tagebüchern Wiwi genannt), sie hatten vier Kindern. Zum näheren Freundes- und Bekanntenkreis gehörten u. a. der deutsche General und letzte Kanzler der Weimarer Republik, Kurt von Schleicher, der 1934 von den Nazis ermordet wurde, und der General und Nazi-Gegner Kurt von Hammerstein sowie der Widerstandskämpfer General Erwin von Witzleben. Von Pentz und seine Frau, die in Berlin-Dahlem wohnten, verkehrten regelmäßig in der St. Annen-Kirche in Dahlem, wo der Theologe Hellmut Gollwitzer nach der Verhaftung von Martin Niemöller tätig war und die zum Treffpunkt der Anhänger der "Bekennenden Kirche" wurde. Seine Aufzeichnungen sind damit nicht nur ein persönliches und historisches Zeugnis, sondern auch ein spezieller Blick auf das Leben regimekritischer Kreise im Bürgertum und im Unternehmertum während der Naziherrschaft in Deutschland. Auszüge: "Sonnabend, 19. August 1939: Herrliches Sommerwetter, wir sitzen fast den ganzen Tag in unserer schönen offenen Halle. Ulrich (der Sohn Ulrich v. Pentz) noch in Civil, abends zieht er dann seine Kriegssachen an. Ich nehme ihn in seiner Sauberkeit und Anständigkeit so ganz in mich auf. Der Druck ist schwer, und man darf ihn dem Jungen doch nicht zeigen. Er ist so verständig und ruhig, trotzdem er den ganzen Ernst der Lage auch erkennt. Aber manchmal kommen dann auch Vergleiche aus dem unblutigen Tschechischen Feldzug im März 1939. ,,Vati, was soll ich dir aus Polen schicken? Gibt es dort irgendwelche Spezialitäten? Sicher lasse ich mir ein Paar schöne Lederstiefel machen." Ich lasse ihn bei dem Glauben, dass es vielleicht doch so leicht geht. Er glaubt, dass die Polen seinen Panzern nicht viel antun können, da sie keine "Paks"4 und wenig Pioniere hätten. ,,Wenn man nicht gerade bei den ersten Sperren hochgeht, dann wird es sicher schön und interessant werden." Abends um 8 bringe ich ihn im Auto zur Kaserne. Diesen Liebesdienst will ich ihm antun. Vorher fragt er mich, ob er mich einen Augenblick allein sprechen könnte, er müsste etwas beichten. Ich bin etwas erschrocken und kann mir diese Beichte gar nicht vorstellen. Er müsste mir sagen, dass er meine Armeepistole mitgenommen habe, da sie keine geliefert und ohne eine solche wehrlos seien. Er wolle auch dem ersten Toten eine gleiche Pistole abnehmen und mir dann zurückgeben. Der gute Junge! Wie gern gebe ich ihm meine alte, aber noch moderne Pistole von 1914 mit. Möchte sie ihm gute Dienste leisten." ......... "1.September 1939: Fahre mit Sell in die Stadt. 8 Uhr 30 am Brandenburger Tor Umlenkung des Verkehrs, da - wie ein Schutzmann sagt - Reichstagssitzung um 10 Uhr stattfinde. Im Büro kommt gleich Dr. Adam und gibt mir Meldung von Ratibor, dass unsere Truppen dort die Grenze überschritten hätten früh gegen 4 Uhr 30. Um 10 Uhr Gemeinschaftsempfang in der Kantine. Ich stelle mich mitten unter die Arbeiter während der Rede von Hitler. Gesichter m. E. sämtlich stumpf oder ablehnend. Frauen weinen oder dicht davor. Keine Spur einer Begeisterung oder Teilnahme zu sehen. Andere bestätigen diese Beobachtung. Alles Blut will mir während dieser Rede in den Adern erstarren, trotzdem ich innerlich seit Jahren auf diese Wendung vorbereitet war. Klammere mich an gewisse Wendungen der Rede wie: ,,Wenn die Polen schießen, dann werden wir wieder schießen" und auch die Bemerkung, dass mit den Westmächten keine Differenzen bestünden. Auch der ganze Ton ist nicht auf das Äußerste abgestimmt. Da auch die Heeresberichte am Sonnabend und Sonntag sehr reserviert sind, halte ich noch an einer kleinen Hoffnung fest, dass Hitler es nicht zum Äußersten kommen lässt." ......................... "16.September 1939. Wieder eine Woche vergangen. Die Schlacht in Polen ist noch nicht beendet, wie ich schon für diese Woche erwartet hatte. Aber lange kann es nicht mehr dauern. Im Westen hat sich noch nichts ereignet. Es besteht praktisch Waffenstillstand. Viele Leute glauben und hoffen, dass mit dem polnischen Krieg der Gesamtkrieg beendet sein wird. Ich halte dies für unmöglich und bin überzeugt, dass England und Frankreich bis zum Weißbluten kämpfen werden. Wenn sie einen Angriff im Westen vornehmen werden, dann m. E. nur nach eingehender Vorbereitung und schlagartig. Die Räumungen im Westen scheinen sehr weitgehend zu sein. Aus Karlsruhe 65 % der Einwohner entfernt. Saarindustrie scheint ganz stillgelegt zu sein. Arbeiter und Angestellte sämtlich von ihren Arbeitsplätzen und aus ihren Wohnungen entfernt. Dafür werden die Gruben und Industrieanlagen in Ostoberschlesien schon in Betrieb genommen. Deutsche Ingenieure sind gleich hinter der Truppe gefolgt." ........................ "1.Dezember 1939. Gestern früh haben nun die Russen zu Lande, zu Wasser und aus der Luft ohne Kriegserklärung den Kampf gegen Finnland eröffnet. Die heimischen Städte stehen in Flammen, schwere Verluste unter der Zivilbevölkerung. Eine ganz furchtbare Entwicklung, und das Schlimmste ist, dass wir diese Katastrophe hätten verhindern können. Wo bleibt die Erinnerung an den gemeinsamen deutsch-finnischen Freiheitskampf gegen den Bolschewismus 1918 / 19, wo die Erinnerung an die Bekämpfung des Bolschewismus in Spanien? Unsere Westoffensive scheint nunmehr ganz festzustehen, wohl schon für die nächsten Tage. Wetter ganz schlecht, warm, weich und Dauerregen."
...............
"23.Dezember 1939. (Sonnabend) Letzter Arbeitstag vor Weihnachten. Wetter warm, nass und trübe, Westwind. Richtig der Lage und der allgemeinen Stimmung angepasst. Kann schlecht schreiben, da sich mein geklemmter Finger verschlimmert hat. Gestern Abend Pumm von seiner Bergwerkreise zurück. Wir sprachen ihn nur kurz. Heute in den Siemens vertraulichen Nachrichtenmeldungen über Unruhen bei den kämpfenden russischen Truppen erfahren. Starke Missstimmung in Moskau über die mangelhaften militärischen Erfolge. Wenn es wahr wäre, das wäre ja ein herrlicher Erfolg der Finnen. 27.Dezember 1939. Weihnachten zu Hause. Äußerlich harmonisch und stimmungsvoll wie immer. Von Wiwi alles reizend gestaltet. Anwesend: Wiwi, ich, Mutter, Gittlein (Tochter Brigitte), Pumm (der Sohn). Große Freude über Gittlein, die sich in ihrer Tätigkeit ganz besonders wohl und am Platze fühlt. Heilig Abend bei Gollwitzer im Gemeindehaus. Sehr gute ernste Predigt. Übergroßer Andrang. Wir stehen 1 Stunden. Am 1. und 2. Feiertag sehr schlechtes Wetter, nass, erst gestern Abend Umschwung zur Kälte." ......................... 11.Juni 1943. Ich habe keinen Zweifel mehr, dass Pumm seit dem 16. Mai -Sonntag Jubilate und Muttertag- nicht mehr lebt. Eine furchtbare Erkenntnis. Ich lebe wie im Trancezustand. Kann es allein nicht mehr aushalten und will es heute Wiwi sagen. Fürchte mich sehr davor, wie sie es aufnimmt. Unser Stolz und unser größter Lebensinhalt sind dahin. Pumm war wohl das beste Produkt der Pentz- und Windheim-Familien, das bisher auf dieser Erde wandelte. Seine herrlichen Eigenschaften, alle so harmonisch aufeinander abgestimmt, ließen auf eine wunderbare weitere menschliche und berufliche Entwicklung schließen. Es ist alles unvorstellbar und manchmal kann ich diese Tatsache noch gar nicht realisieren. Wenn ich, wie gestern die Kinderbilder von Pumm sehe und sein Zimmer und seine Sachen, so kann ich es nicht aushalten. Mein Gott, womit hat er und haben wir dies verdient? Das Leben hat keinen Sinn mehr für uns. 12.Juni. Gestern alles Wiwi erzählt, die erstaunlich tapfer diese Kunde aufnahm. Sie konnte und wollte nicht daran glauben, klammert sich noch immer an die Hoffnung, dass ein englisches Boot Pumm gerettet haben könnte. Ich kann daran nicht glauben. - Eben ein Telegramm von Oberst v. Veltheim: ,,Ihr Sohn startete im gleichen Flugzeug mit Piper-Flemming am 16.5. Flugzeug, seitdem verschollen." Eben ein Telefongespräch mit den Eltern Piper-Flemming, er las mir das Protokoll vor über die Auffindung und Bestattung der Leiche seines Sohnes, will es mir schicken. - Wenn man denkt, dass die beiden vor 6 Wochen strahlend wie die Götterlieblinge abreisten und bei dem fröhlichen Abschied sich keiner eine rechte Sorge machen konnte. - Ein schreckliches Pfingstfest. Wir versuchen uns gegenseitig zu stützen. .......................... 15.Juli 1945 Lage bei uns: Werk Lichtenberg wird ausradiert und ist wohl kaum wieder aufzubauen. Unser Haus stand unter der akuten Gefahr, von den Amerikanern beschlagnahmt zu werden, wie schon so viele Häuser in Dahlem. Die Ernährungslage wird immer schlimmer. Kein Fett, und jetzt sind überall die Kartoffeln in den Häusern am Ende. Niemand weiß, wie wir alle weiterleben sollen. Von der Familie immer noch keine Nachricht...Danach scheint es so auszusehen: Mutter in Naudin (Gutshof der Familie), Gittlein hat Herrn Neuville geheiratet, scheint in Schleswig zu sein, also auch wohl Ursula mit Kindern dort. Wie es in Naudin geht und wer dort geblieben ist, was die Russen dort getan haben, wir wissen nichts. Die Heirat von Gittlein bewegt uns natürlich sehr! Wir können unseren Segen nur von fern erteilen. Möchte das tapfere Kind ihren Lohn finden. In Frankreich wird es auf alle Fälle besser gehen als in Deutschland. Alle Augen und Hoffnungen richten sich jetzt auf die Interalliierten Organe, die Konferenz der 3 ,,Großen", die heute in Potsdam beginnen soll und die Kommission. Wird es gelingen, die Russen zur Vernunft zu bringen? Vorher ist an einen Wiederaufbau nicht zu denken. Herrliches Sommerwetter!"
Ironie der Geschichte: Brigitte (Gittlein), die Tochter von Hans Henning von Pentz, lernt während ihrer Tätigkeit auf einem Gut in Ostpreußen den französischen Zwangsarbeiter Andre Neuville kennen und lieben. Zusammen fliehen sie Anfang 1945 vor den Russen über die Ostsee nach Schleswig-Holstein und heiraten dort. Schließlich ziehen sie in Andres' Heimat, die Champagne - dorthin, wo ihr Vater einst im 1. Weltkrieg als junger Offizier gegen die Franzosen kämpfte. Hans Henning von Pentz kümmert sich nach dem Krieg um den Wiederaufbau der Siemens Plania AG in Meitingen bei Augsburg. Das Werk in Berlin-Lichtenfeld wird von den russischen Besatzern beschlagnahmt, der schlesische Firmensitz in Ratibor kommt unter polnische Verwaltung.
Anmerkungen:
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