Catriona Byers: La Morgue, Gebunden
La Morgue
- Die vergessenen Toten von Paris und die spektakuläre Geburt der modernen Forensik
- Originaltitel: La Morgue
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- Übersetzung:
- Anja Malich, Annika Klapper, Nina Goldt
- Verlag:
- Rowohlt Verlag GmbH, 05/2027
- Einband:
- Gebunden
- Sprache:
- Deutsch
- ISBN-13:
- 9783498008352
- Umfang:
- 368 Seiten
- Sonstiges:
- ca 50 s/w Abbildungen
- Erscheinungstermin:
- 14.5.2027
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Klappentext
La Morgue: Die vergessenen Toten von Paris und die spektakuläre Geburt der modernen Forensik
In 'La Morgue' verbindet die britische Historikerin Dr. Catriona Byers fundierte Wissenschafts- und Kulturgeschichte mit historischem True Crime und zeigt, wie das städtische Leichenschauhaus von Paris zwischen 1804 und 1907 zum Schmelztiegel der modernen Kriminologie, Rechtsmedizin und Stadtgesellschaft wurde. Entlang der akribisch rekonstruierten Lebenswege von zwölf Toten entfaltet das Sachbuch ein Panorama des 19. Jahrhunderts - einer Epoche, in der die französische Metropole zwischen Revolutionen, Seuchen und städtebaulicher Radikalisierung das moderne Leben hervorbrachte.
Morbides Theater und die Geburtsstunde des True Crime
Über ein Jahrhundert lang bildete die Pariser Morgue direkt im Schatten von Notre-Dame einen der meistbesuchten öffentlichen Orte Europas. Bis zu 50.000 Schaulustige drängten sich an Spitzentagen vor den bodentiefen Schaufenstern, hinter denen unbekannte Leichen auf zwölf gekühlten Marmortischen zur Schau gestellt wurden. Was von der Polizeipräfektur ursprünglich zur Identifizierung namenloser Toter eingerichtet worden war, entwickelte sich rasch zu einer weltberühmten Touristenattraktion: Fliegende Händler verkauften vor den Toren Waffeln, Kastanien und Eis, während die Morgue in internationalen Reiseführern als makabres Spektakel gelistet wurde. Gleichzeitig begründeten die detaillierten Zeitungsberichte über zerstückelte Leichen und ungeklärte Mordtaten die moderne Faszination am Grauen und den Siegeszug des True-Crime-Genres.
Wissenschaft auf dem Seziertisch: Geburtsort der modernen Rechtsmedizin
Hinter den Schauräumen vollzog sich zeitgleich ein revolutionärer epistemischer Wandel:
- Pionierfeld der Kriminalistik: Führende Gerichtsmediziner wie Alphonse Devergie und Paul Brouardel sowie Kriminologen wie Alexandre Lacassagne nutzten die Toten für bahnbrechende Autopsie- und Toxikologie-Lehrgänge.
- Systematisierung der Identifikation: Alphonse Bertillon entwickelte an den Toten und Inhaftierten der Morgue das weltweit erste standardisierte System polizeilicher Anthropometrie und Post-mortem-Fotografie (Bertillonage).
- Mikrokosmos der Moderne: Die Toten spiegeln die sozialen Brüche der Ära - von Opfern des rasanten Bahnverkehrs über verzweifelte Suizide im Zuge von Urbanisierung und Verelendung bis hin zu Opfern spektakulärer Gewaltverbrechen.
- Muse der Weltliteratur: Das Institut inspirierte Generationen von Schriftstellern und Dichtern, von Edgar Allan Poe, Charles Dickens und Émile Zola bis hin zu Gottfried Benns expressionistischem Zyklus.
3 Gründe, dieses Buch zu lesen
- Verbindung von Makro- und Mikrogeschichte: Byers erzählt die Modernisierung von Paris nicht aus der Perspektive der Herrschenden, sondern anhand vergessener Einzelschicksale, die auf den Marmortischen der Morgue endeten
- Fundierte forensische Fachhistorie: Anschaulich, archivgestützt und ohne Sensationshascherei wird gezeigt, wie Rechtsmedizin, Kriminalanthropologie und Identifikationstechniken im 19. Jahrhundert entstanden.
- Atmosphärische Erzählkraft: Ein historisches Sachbuch mit dem erzählerischen Sog eines viktorianischen Kriminalromans - ideal für Leser: innen von narrativer Geschichtsschreibung und anspruchsvollem True Crime.
Über die Autorin
Dr. Catriona Byers ist Historikerin und promovierte am renommierten Centre for the History of Science, Technology and Medicine des King's College London. In ihrer Forschung spezialisierte sie sich auf die Geschichte der Leichenhäuser von Paris und New York im Zeitraum von 1864 bis 1914. Sie wurde von der BBC als 'Next Generation Thinker 2024' nominiert und vermittelt medizinhistorische Themen einem breiten Publikum (u. a. via Instagram unter @heymorguegirl). Catriona Byers lebt in Paris.
Für Leser: innen von:
- Andrea Wulf (Fabelhafte Rebellen)
- David Grann ('Der Untergang der Wager')
- Historischen True-Crime- und Wissenschaftssachbüchern
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Worum geht es in 'La Morgue' von Catriona Byers?
Das Buch rekonstruiert die Geschichte des Pariser Leichenschauhauses zwischen seiner Eröffnung 1804 und der Schließung der öffentlichen Zurschaustellung 1907. Entlang von zwölf ausgewählten Todesfällen analysiert Byers die Morgue als Knotenpunkt von öffentlichem Spektakel, städtischem Wandel und der Entstehung von Kriminologie, Forensik und Rechtsmedizin.
Warum zählte das Pariser Leichenschauhaus Zehntausende Besucher täglich?
Die Pariser Morgue auf der Île de la Cité war frei zugänglich. Hinter großen Glasfenstern wurden unbekannte Wasserleichen und Mordopfer aufgebahrt, damit Angehörige oder Bekannte sie identifizieren konnten. Durch die Berichterstattung der Massenpresse wandelte sich der Ort rasch zu einem urbanen Treffpunkt für Voyeure, Touristen und Literaten.
Welche Bedeutung hatte die Morgue für die Entstehung der Kriminalistik?
Die Einrichtung diente den führenden Gerichtsmedizinern der Pariser Universität als Forschungs- und Ausbildungsstätte. Hier wurden standardisierte Obduktionsprotokolle entwickelt, Kälteanlagen zur Leichenkonservierung erprobt und Methoden wie die Bertillonage (anthropometrische Erfassung) sowie die forensische Fotografie etabliert.
Welche Fälle werden im Buch behandelt?
Byers schildert unter anderem den Fall der 'Frau in Stücken' (Jeanne Marie Le Manach), den sensationellen Prozess um die 'Blutige Kiste' (Gouffé, Michel Eyraud und Gabrielle Bompard), postmortale Fotodokumentationen anonymer Tagelöhner sowie die gesellschaftlichen Dimensionen von Suizid und Großstadtelend im 19. Jahrhundert.
Anmerkungen:
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