Henri Loevenbruck: Gallica. Die Stimme der Welt drucken
Henri Loevenbruck
Gallica. Die Stimme der Welt
Roman. Deutsche Erstausgabe
Detailinformationen
Anmerkungen
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Beschreibung
Wenn die Magie vergeht, stirbt auch die HoffnungDie "Nebel" haben Gallica verlassen. Nun sind es die Menschen, die um ihr Leben fürchten, denn eine geheimnisvolle Seuche rafft sie hinweg. Nur einer kann ein Heilmittel finden und Gallica vor einem schrecklichen Schicksal bewahren: Bohem - die Stimme der Welt.
Klappentext
Wenn die Magie vergeht, stirbt auch die Hoffnung ...Die "Nebel" haben Gallica verlassen. Nun sind es die Menschen, die um ihr Leben fürchten, denn eine geheimnisvolle Seuche rafft sie hinweg. Nur einer kann ein Heilmittel finden und Gallica vor einem schrecklichen Schicksal bewahren: Bohem - die Stimme der Welt ...
Unvergessliche Charaktere in einer magischen Welt voller Anklänge an die keltische Mythologie.
Auszüge aus dem Buch
Brief Philipp Vonhofs, genannt "der einäugige Maler", an Stefan Wacker, seinen Schüler. Herzogspalast, Hof Helenas von Quitenien, Hohenstein, Grafschaft Steinlanden, am dreißigsten Oktober.Mein lieber Stefan,
gestern waren diese Trottel von Ärzten bei mir, und ich habe aus ihren Blicken ersehen, dass ich bald sterben werde. Heute Abend vielleicht oder morgen - wer weiß das schon?
Ich werde die Krankheit, die mir zu schaffen macht, nicht mehr loswerden, und weder Gott noch die erbärmliche Pflege, die mir die Jünger des Hippokrates zuteilwerden lassen, können mich jetzt noch retten. Diese Scharlatane verstehen sich nicht besser auf die Medizin als die Kräuterheiler, diese skrupellosen Krämer, die das gemeine Volk hinters Licht führen. Noch gestern haben mir diese gewaltigen Dummköpfe - du wirst es mir kaum glauben, Stefan! - tatsächlich Löwenfleisch, Skorpionöl und Ameiseneier zu essen gegeben und geschworen, dass ich dadurch geheilt werden würde.
Aber unsere gute Herzogin von Quitenien könnte die größten Gelehrten der Universität von Lutesia an mein Krankenbett rufen, ohne dass es etwas ändern würde. Ich werde sterben, und das ist gut so. Ich bin alt, müde und erwarte nichts mehr vom Leben. Vielleicht erwarte ich noch etwas vom Tod ...
Aber bevor ich gehe - und ich weiß nicht wohin - will ich dir, der du mein bester Schüler warst und der du dein Leben noch vor dir hast, mein größtes Geheimnis anvertrauen.
Denn ich weiß, dass du würdig bist, es zu erfahren. Ich habe deine letzten Arbeiten gesehen, deine Gemälde auf Holz, die du nicht signierst, die ich aber dennoch immer im Atelier erkenne: Denn von all meinen Schülern bist du der einzige, dessen Begabung ich bewundere. Ich habe die Elfenbeinschnitzereien gesehen, die du für die Klappdeckel der Spiegelkästchen angefertigt hast; du stehst den Handwerksgesellen in nichts mehr nach. Ich habe auf dem Fresko in Sankt Hilarien erkannt, welche Teile von deiner Hand stammen, und neben mir liegen die Miniaturen, die du für die Sammlung angefertigt hast, die Helena von Quitenien bei uns bestellt hat. Sie sind wunderbar. Deine Werke sind heute schon so schön, dass ich nicht gezögert habe, dich der Herzogin zu empfehlen, und du wirst vielleicht eines Tages meinen Platz an ihrem Hof einnehmen, wirst vielleicht einmal in dem Zimmer wohnen, aus dem ich dir gerade schreibe, hoch oben im Herzogspalast. Du bist noch jung, Stefan, aber ich bewundere deine Arbeit, weil ich weiß, dass deine Begabung aufrichtig ist. Dass dein Talent umfassend ist. Dass du niemandem etwas schuldest. Und dass ich, mein lieber Schüler, nicht dasselbe von mir behaupten kann.
Das, was ich dir gleich enthüllen werde, habe ich noch nie jemandem verraten: Nicht einmal Helena von Quitenien, der ich mich doch sonst so häufig anvertraut habe. Aber es ist mir heute ein Bedürfnis, es endlich loszuwerden, zu beichten. Denn dieses Geheimnis war zugleich das Schönste und das Schlimmste, was das Leben für mich bereitgehalten hat.
Wenn du also möchtest, lass mich dir davon erzählen, da ich sicher tot sein werde, wenn du diesen Brief findest.
Du hast mich kennengelernt, als du mit noch nicht sechzehn Jahren in meine Werkstatt eingetreten bist. Damals lebte ich schon am Hofe Helenas, wo ich, wie du weißt, der einzige Maler war und bin, der das bedeutende Vorrecht genießt, seine Werke signieren zu dürfen. Ich lache noch immer über den Neid all der Möchtegernkünstler, die am Palasttor Schlange standen und auf nichts als einen Blick von Helena hofften. Ich habe hier eine Menge Troubadoure und Dichter durchkommen sehen, die nicht lange blieben, die man rasch wieder vergaß. Aber es gab nur einen einzigen Maler und das war ich, der einäugige Maler. Die Herzogin bestellte jedes Jahr neue Werke bei mir und bekam nie genug von meiner Kunst.
Ich habe die Himmelfahrt Christi auf die Wände des großen Saals im Sankt-Johannis-Baptisterium gemalt, ich habe Radegundes Grabmal in Sankt Ma

