Hallgrímur Helgason: Rokland drucken
Hallgrímur Helgason
Rokland
Roman
Detailinformationen
Anmerkungen
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Kurzbeschreibung
So ist es, wenn man nach Jahren in Berlin zurückkommt in sein isländisches Kaff mit fast so vielen Frisiersalons wie weiblichen Einwohnern. Nun lebt Böddi also wieder bei seiner fernsehverblödeten Mutter und unterhält seine Schüler auf seiner blog-Seite mit beißenden Karikaturen ortsbekannter Größen. Das kann nicht lange gutgehen - erst recht nicht bei Hallgrímur Helgason!Klappentext
Schlechter kann es für Böddi nicht laufen. Erst fliegt er als Lehrer, dann erfährt er, daß er gerade der Tochter seines ehemaligen Rektors ein Kind gemacht hat. Dann verliert er nach dem Tod der Mutter auch noch sein Elternhaus. Das reicht, um durchzudrehen: Böddi steigt auf sein Pferd und bricht zu einem Amokritt in die Hauptstadt auf. In Reykjavík ruft er zum allgemeinen Umsturz der Lebensverhältnisse auf, doch hinter seinem Rücken vermarktet ihn der eigene Bruder schon in den Medien ... "Rokland" ist als literarische Gesellschaftssatire eine konsequente Fortsetzung der beiden vorangegangenen Romane von Hallgrímur Helgason. Der isländische Don Quijote des 21. Jahrhunderts kämpft allerdings nicht gegen Windmühlen, sondern gegen die Allgegenwart des Fernsehens und die allgemeine Verflachung und Verblödung seiner Landsleute. Den großen Showdown inszeniert Helgason, wie er es zu seinem unverwechselbaren Markenzeichen gemacht hat: sarkastisch, ketzerisch und voll schräger Ideen.Auszüge aus dem Buch
(...) Böddi kramte ein Feuerzeug mit dem Aufdruck Pharao Bar Berlin aus seiner rechten Hosentasche und ließ es aufflammen. Die Weißhaarige trat näher, und ehe die Zigarette knisternd aufglühte, spürte Böddi plötzlich Daggas Hand auf seinem Hinterteil. Er zuckte zusammen und ließ ungewollt die Flamme verlöschen. Dagbjört lachte unterdrückt hinter ihren zusammengekniffenen Lippen, nahm die Hand weg und rückte die Zigarette besser im Mund zurecht. Dann wartete sie erneut auf Feuer. Böddi drehte mit etwas zittriger Hand das Zündrädchen. Und fühlte wieder die Hand auf seinem Hintern. Was dachte sie sich eigentlich? War sie darauf die ganze Zeit ausgewesen? Sollte er sich nun für die Lebensrettung erkenntlich zeigen? Die Flamme fraßsich in den Tabak. Dagbjört zog den Rauch ein und sah dann mit einem Augenaufschlag den Bezopften an, zog ihn an sich. Im gleichen Moment, in dem sie ihm mentholgesättigten Rauch ins Gesicht blies, fühlte er, wie sich ihre Brüste und ihr Bauch an ihn preßten. Sie war einen Kopf kleiner als er, nahm einen weiteren Zug und sagte:"Küß mich!"Damit hatte er nicht gerechnet. Obwohl er in der Nacht auf dem Gang zu den Toiletten ihre sexuelle Ausstrahlung gespürt hatte, hatte er sich ihren Körper noch nicht nackt vorgestellt. Er zögerte. Sie nutzte die Gelegenheit und schob ihre Hand unter seinen Mantel, die Sportjacke und das T-Shirt auf seinen nackten Rücken und von da weiter abwärts, so tief sie durch den enggeschnallten Gürtel kam. Es schien ihr unglaublich leicht zu fallen, und Böddi überraschte sich selbst damit, daß er den Kopf vorbeugte. Sie küßten sich. Sie küßten sich gierig. Zwei Nachteulen am frühen Morgen, zwei alkoholvergiftete Köpfe mitten auf einem Parkplatz. Ihre Schatten verschmolzen.Vier Jahre war es her, seit Bödvar Halldór das letzte Mal eine Frau geküßt hatte. Sicher hatte er in der Zwischenzeit ein paarmal eine Frau bestiegen, aber die Sklavinnen der käuflichen Liebe waren kein bißchen anders als die Huren vergangener Zeiten: Sie verkauften nicht den Zugang zu ihren Mündern. Und auch wenn Dagbjört nicht gerade zu den bevorzugten Objekten von Böddis feuchten Träumen gehörte, war eine Frau doch immer eine Frau. Ein Mund ein Mund. Eine Zunge eine Zunge. Und die hier arbeitete sehr ordentlich. Während er sich an ihrer Weichheit und Nässe berauschte, fummelte er nach den unteren Regionen der Frau. Er konnte nichts dagegen machen, doch plötzlich sah er den breiten Rumpf eines Schafs vor sich. Dagbjörts Fleisch fühlte sich üppig und kräftig an, zugleich aber auch ziemlich hart. Ihre Brüste steif wie ein gefüllter Presskopf oder Schwartenmagen. Sie waren ein sehr unterschiedliches Paar, sie die Walküre und er die hagere Bohnenstange.

