Emmanuil Roidis: Der Ehemann erfährt's zuletzt drucken
Emmanuil Roidis
Der Ehemann erfährt's zuletzt
Erzählungen. Nachw. v. Tilman Spengler
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Rezension
"Neidisch könnten viele nachgeborene Schriftsteller sein auf diese hintersinnige Eleganz des Erzählens, die Emmanouil Roidis scheinbar mühelos aus der Feder floss. Ein zu Unrecht Vergessener, lehrt er uns doch noch mal eine klassische Weisheit: Literatur ist das, was Jahrzehnte und Jahrhunderte überleben kann... Taufrische Erzählungen, denen es immer wieder gelingt, bisher nicht Gedachtes, nicht Erlebtes, Unvermutetes zutage zu bringen... Das reine Lesevergnügen!" HR 2Klappentext
Über die Ehe und andere KatastrophenWarum Ehemänner zu bedauern und Eintagsfliegen zu beneiden sind: Bei Roidis bekommt man eine ganz neue Sicht auf die Welt geboten. In seiner Heimat als «griechischer Voltaire» verehrt, ist der begnadete Satiriker hierzulande noch nahezu unentdeckt. Erstmals werden die Kabinettstücke des süffisanten Spötters nun in repräsentativer Auswahl auf Deutsch vorgelegt.
Emmanouil Roidis' (1836-1904) Werk ist eine Provokation. Schon sein gewagter Romanerstling «Die Päpstin Johanna» trug dem Verfasser nicht nur Ruhm, sondern auch die Exkommunikation ein. Nicht weniger lustvoll und respektlos nimmt sich der Autor in seinen späten Erzählungen, für die er heute besonders geschätzt wird, der Horte bürgerlicher Moral an. Ob auf dem Hühnerhof oder dem Tanzparkett, in der Taverne oder im Boudoir, stets fördert der wache Blick des Erzählers Unvermutetes zutage. Gewandt wechselt der Autor zwischen geistreich plauderndem Exkurs und raffiniert gesetzter Pointe. Selbst harsche Kritik an sozialen Missständen verbindet er mit der abgeklärten Ironie des Weltmannes.
Seine souveräne Eloquenz zeugt von der kosmopolitischen Bildung und Belesenheit des Connaisseurs, zu dessen Hausgöttern und literarischen Wahlverwandten Thackeray und Fielding ebenso zählen wie Montaigne oder Voltaire. «So gehört Emmanouil Roidis mit dem einen seiner langen Beine ganz ohne Zweifel in die Gesellschaft jener literarischen Flaneure, die aus nur scheinbar emotionaler Distanz mit virtuosem Spötteln ihre Umwelt wie ein Bestiarium betrachten. Das andere Bein des Schriftstellers steckte unter einem unsichtbaren Schreibtisch, auf dem sich die ganze Weltliteratur ausgebreitet hatte.» (Tilman Spengler)

