Daniel Tammet: Elf ist freundlich und Fünf ist laut drucken

Daniel Tammet

Elf ist freundlich und Fünf ist laut

Ein genialer Autist erklärt seine Welt
  • Buch i
  • Erscheinungstermin: 13.10.2008
  • Verfügbarkeit: versandfertig innerhalb 24 Stunden i

Detailinformationen

  • Heyne Taschenbuch, 10/2008
  • Originaltitel: Born on a Blue Day
  • Einband: Kartoniert / Broschiert
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 9783453640405
  • Bestellnummer: 2024322
  • Autor: Daniel Tammet
  • Umfang: 288 Seiten
  • Gewicht: 232 g
  • Maße: 185 x 118 mm
  • Stärke: 21 mm

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Rezension

"Dieses Buch ist eine Sensation, weil es uns einen einzigartigen Einblick in die Welt der Savants gewährt (...). Daniel Tammets Sichtweise lässt uns unser eigenes Leben mit anderen Augen sehen. Er öffnet uns den Blick für die Wundermaschine Gehirn. Er rückt das Wesen Mensch in ein anderes Licht." Melanie Mühl / Frankfurter Allgemeine Zeitung

Klappentext

Eine einzigartige Innenansicht des Autismus und zugleich ein faszinierender Einblick in die Kraft des menschlichen Geistes

Daniel Tammet ist ein Genie: Er rechnet schneller als jeder Computer dieser Welt und spricht zehn Sprachen. Zahlen nimmt er als Formen, Farben und Charaktere wahr. Für Hirnforscher ist er ein besonderer Fall: Seine erstaunlichen mentalen Fähigkeiten sind auf das Savant-Syndrom und eine gemäßigte Form des Autismus zurückzuführen. In seiner Autobiografie gibt der 29-Jährige Einblick in seine Wahrnehmung der äußeren Welt, seine Suche nach innerer Ruhe und die kurzen Momente des Glücks.

Auszüge aus dem Buch

Blaue Neunen und rote Wörter
Ich wurde am 31. Januar 1979 geboren - einem Mittwoch. Ich weiß, es war ein Mittwoch, denn in meiner Vorstellung ist der Tag blau, und Mittwoch ist immer blau - wie die Zahl Neun oder der Klang lauter, streitender Stimmen. Mir gefällt mein Geburtsdatum, weil ich die meisten Zahlen darin als glatte, runde Formen vor mir sehen kann - so wie Kieselsteine an einem Strand. Das liegt daran, dass es Primzahlen sind: 31, 19, 197, 97, 79 und 1979 lassen sich alle nur durch sich selbst und durch eins teilen. Ich kann jede Primzahl bis 9973 an ihrer "kieselsteinartigen" Beschaffenheit erkennen. So arbeitet mein Gehirn.
Ich habe eine seltene Krankheit, das sogenannte Savant-Syndrom, das wenig bekannt war, bis es 1988 von dem Schauspieler Dustin Hoffman in dem Oscar-prämierten Film "Rain Man" dargestellt wurde. Wie die von Hoffman verkörperte Gestalt des Raymond Babbitt habe ich ein fast zwanghaftes Bedürfnis nach Ordnung und Routine, das praktisch jeden Bereich meines Lebens beeinflusst. So esse ich zum Beispiel jeden Morgen exakt 45 Gramm Porridge zum Frühstück; ich wiege die Schüssel mit einer elektronischen Waage, um ganz sicher zu sein. Dann zähle ich die Anzahl der Kleidungsstücke, die ich trage, bevor ich das Haus verlasse. Ich werde unruhig, wenn ich meinen Tee nicht jeden Tag um die gleiche Zeit trinken kann. Immer wenn ich unter zu starken Stress gerate und nicht ordentlich atmen kann, schließe ich die Augen und zähle. An Zahlen zu denken hilft mir, mich wieder zu beruhigen.
Zahlen sind meine Freunde und sie sind ständig um mich. Jede ist einzigartig und hat ihre ganz eigene "Persönlichkeit". Elf ist freundlich und Fünf ist laut, während Vier still und schüchtern ist - sie ist meine Lieblingszahl, vielleicht weil sie mich an mich selbst erinnert. Einige Zahlen sind groß, wie 23, 667, 1179, andere klein, wie 6, 13, 581. Einige sind schön, wie 333, und einige hässlich, wie 289. Für mich ist jede Zahl etwas Besonderes.
Ganz gleich, wohin ich gehe oder was ich tue, Zahlen sind in meinem Denken immer sehr präsent. Bei einem Interview mit dem Talkshow-Moderator David Letterman in New York sagte ich David, er sehe aus wie die Zahl 117 - groß und schlaksig. Als ich später draußen auf dem Times Square stand und zu den hoch aufragenden Wolkenkratzern hinaufsah, fühlte ich mich wie von lauter Neunen umgeben - die Zahl, die ich am stärksten mit dem Eindruck von Größe verbinde.
Die Wissenschaft bezeichnet meine visuell-emotionale Wahrnehmung von Zahlen als Synästhesie, eine seltene neurologische Vermischung der Sinne, die in den meisten Fällen zu der Fähigkeit führt, dass man die Buchstaben des Alphabets und / oder Zahlen in Farbe sieht. Bei mir ist die Synästhesie so ungewöhnlich und komplex ausgeprägt, dass ich Zahlen als Formen, Farben, Stoffe und Bewegungen wahrnehme. Die Zahl Eins zum Beispiel ist ein strahlend helles Weiß, als ob mir jemand mit einer Taschenlampe direkt in die Augen leuchten würde. Fünf ist ein Donnerschlag oder der Klang von Wellen, die gegen Felsen branden. Siebenunddreißig ist klumpig wie Porridge, während mich Neunundachtzig an fallenden Schnee erinnert.
Der wahrscheinlich berühmteste Fall von Synästhesie war der eines Journalisten namens Schereschewski, der über ein phänomenales Gedächtnis verfügte. Seine Geschichte wurde ab den 1920er-Jahren von dem russischen Psychologen A. R. Lurija über einen Zeitraum von dreißig Jahren beobachtet und aufgezeichnet. "S", wie Lurija ihn in seinem "Porträt eines großen Gedächtnisses" nennt, hatte ein ausgeprägtes visuelles Gedächtnis, das ihm ermöglichte, Worte und Zahlen in unterschiedlichen Formen und Farben zu "sehen". "S" konnte eine Tabelle mit 50 Zahlen erinnern, nachdem er sie drei Minuten lang betrachtet hatte - nicht nur sofort im Anschluss an den Test, sondern auch noch viele Jahre später. Lurija hielt Schereschewskis synästhetische Wahrnehmung für die Grundlage seines erstaunlic

Biografie:

Daniel Tammet in London geboren und aufgewachsen, arbeitete als ehrenamtlicher Lehrer in Litauen. In enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern wie z. B. Dr. V. S. Ramachandran versucht er, seine Krankheit zu erforschen und besser zu verstehen. Er leitet ein Online-Unternehmen, das Sprachkurse anbietet, und lebt in Kent, England.

Autor(en):

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