Stig Dalager: Im Schattenland, Fester Einband
Im Schattenland
- Roman
- Originaltitel: Skyggeland
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- Übersetzung:
- Heinz Kulas, Jette Mez
- Verlag:
- Eichborn, 09/2009
- Einband:
- Fester Einband
- ISBN-13:
- 9783821861005
- Umfang:
- 335 Seiten
- Copyright-Jahr:
- 2009
- Gewicht:
- 560 g
- Maße:
- 220 x 146 mm
- Stärke:
- 31 mm
- Erscheinungstermin:
- 15.10.2009
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Beschreibung
Ein großer Roman über Schuld, Moral und Verantwortung Als der Rechtsanwalt Jon Baeksgaard und seine israelische Lebensgefährtin Eve Lettermann am frühen Morgen des 11. September wie Millionen andere New Yorker zur Arbeit gehen, ahnen sie nicht, in welches die Welt erschütternde Ereignis sie geraten würden. Jon ist unterwegs zu seiner ersten Begegnung mit dem muslimischen Mandanten Ifrahim Mohammed, der wegen Mordes an einem jüdischen Juwelier angeklagt ist. Eve auf dem Weg zu ihrem Büro, wo sie für eine große amerikanische Immobilienfirma arbeitet - und das sich in der 84. Etage des Südturms des World Trade Centers befindet ... Stig Dalager zeichnet ein beeindruckendes Bild der dunklen Atmosphäre, die in den Monaten nach dem Terrorangriff über New York liegt und darüber, wie schwierig es für die Menschen nach diesem Ereignis ist, ihr Leben zu werten und ethisch zu handeln. "Wie Don deLillo und John Updike gelingt es Dalager, dem Unbegreiflichen und Unbeschreiblichen des katastrophalen Angriffs ein Gesicht zu geben." Politiken
Auszüge aus dem Buch
(...) Nach über dreizehn Jahren als praktizierender Rechtsanwalt in New York gestattet er sich das Privileg, in der Regel nur Mandanten anzunehmen, deren Unschuld irgendwie glaubwürdig erscheint, hier kommen ihm seine lange Erfahrung und seine Intuition zugute. Seine Vorliebe für schwierige und "hoffnungslose Fälle", in die benachteiligte oder minderbegüterte Mandanten verwickelt sind, mischt sich mit einem rasch aufkeimenden Gefühl für ihre "Unschuld", egal, wie viel auf den ersten Blick auch für ihre "Schuld" sprechen mag. Früher musste er sich wie so viele andere Pflichtverteidiger, ja, auch Verteidiger mit kleinen Büros, auf dünnem Eis bewegen: Vielleicht ist der Mandant schuldig, aber ich arbeite im Rahmen des Gesetzes für seinen Freispruch. Welcher Anwalt hält sich nicht an den Gesetzestext, wonach ein Mandant bis zum Beweis des Gegenteils als unschuldig zu gelten hat' Welcher freie Verteidiger in New York, dem es nicht nur um Geld und Geldgier ging, hätte aber nicht Schwierigkeiten, einen Mann mit "schmutzigen Händen" zu verteidigen' Sonderheims unerwartet grosszügige Bezahlung für seine Dienste in Wien half ihm dabei, sich frei und unabhängig zu machen. Selbst im Schlaf lässt ihn Ifrahim Mohammeds Fall nicht los. Während er sich an Eve presst und unverständliche halbe und abgebrochene Sätze in die dunkle Wohnung im East Village hineinmurmelt, träumt er von einem frühen Sonntagmorgen in der Fifth Avenue. Die breite Straße ist fast menschenleer, die Wolkenkratzer schieben große Wolken vor die Sonne, er selbst und ein Mann, der Ifrahim Mohammed ähnlich sieht, bewegen sich auf der jeweils anderen Straßenseite aufeinander zu, als er an ihm vorbeigeht, entdeckt er Blut an Mohammeds Händen, und er ruft ihn. Mohammed eilt weiter, er läuft ihm schräg über die Straße na ch, Mohammed biegt jedoch in eine Seitenstraße ein, und als Jon ihm um die Ecke folgt, ist er spurlos verschwunden. Die Straße ist leer, doch jetzt ist er nicht mehr in Manhattan, vor ihm taucht die Lee Avenue in Williamsburg auf, eine leise klagende Stimme dringt an sein Ohr. Er dreht sich zum Schaufenster des nächsten Geschäfts um, ein Juweliergeschäft mit handgeschriebenen Schildern, und tritt an die Tür. Erst kann er wegen der Sonnenreflexe in der Türscheibe nichts sehen, dann tauchen die Umrisse eines Mannes auf. Der Mann ist im Hinterzimmer auf einem Stuhl festgebunden, um ihn herum und im ganzen Geschäft liegen leere, flache Schachteln und Schmuckschatullen auf dem Boden verstreut. Der Mann trägt einen schwarzen Mantel, einen Hut, an den Wangen baumeln zwei lange Haarlocken herunter; sein grauer, langer Bart verbirgt seine Züge, seine Augen sind voller Furcht; er hält eine Hand vor die Brust, unter der Hand läuft Blut heraus. Er denkt: "Das ist er, das ist Mr. Ellis Edelstein, der Satmar-Jude, den Mohammed erschossen hat", und er fasst nach der Tür, um zu ihm hineinzugehen, aber sie ist verschlossen. Verzweifelt zieht und rüttelt er an der Klinke, um die Tür zu öffnen, aber im selben Augenblick tippt ihm jemand auf die Schulter. Er dreht sich um. Zwei Meter hinter ihm steht Ifrahim Mohammed, hält ihm mit einem verlegenen Lächeln einen Schlüssel hin. Seine Hände sind trocken und braun. - Was ist das' fragt er. - Der Schlüssel für diese Tür, sagt Mohammed. - Wo haben Sie ihn her' - Ich habe ihn auf der Straße gefunden und bin gleich zu Mr. Edelsteins Geschäft gelaufen. - Das glaube ich Ihnen nicht. - Sie müssen mir glauben, sagt Mohammed. - Wir müssen jetzt Mr. Edelstein helfen. Er dreht sich mit dem Schlüssel in der Hand zur Tür und dem Geschäft um, aber es ist weg. Die ganze Lee Avenue ist verschwunden, bis auf die Sonne am hellen, blauen Himmel über den Wolkenkratzern der Fifth Avenue und die Schatten unter ihnen; er befindet sich allein in der erstaunlich stillen Straße, die noch nie so lang war und einem ausgetrockneten Flussdelta zwischen hohen Bergen aus Fels und glitzerndem Kristall ähnelt. Sein eigener Schlüssel ist auch verschwunden, er sucht überall in seinen Kleidern danach, findet ihn aber nicht und hat das Gefühl, er müsse weiter, weiß aber nicht, wohin. Er blickt auf seine Uhr, die er vor mehreren Jahren in Soho einem Straßenhändler abgekauft hat und die seitdem mit ihrem dünnen, zuckenden Sekundenzeiger einwandfrei funktioniert. Sie ist stehen geblieben. In dem kleinen Zifferglas, das wie ein Spiegel wirkt, taucht Eves Gesicht auf, ihr Mund bewegt sich, er fragt sich, wie ihr Gesicht in eine solch kleine Form passt und was sie ihm sagen will. Er erwacht und blickt verwirrt auf seine Uhr. Es ist der 11. September 2001, fünf Minuten vor fünf. Draußen ist es immer noch dunkel, in zwei Stunden müssen sie aufstehen. Auf, auf, auf, effektiv, wie immer.
Biografie (Stig Dalager)
Stig Dalager, geb. 1952 in Frederiksberg, Dänemark. Studium der Vgl. Literaturwissenschaft in Arhus, Promotion. Redakteur, seit 1982 freier Schriftsteller. Längere Aufenthalte in Leipzig, New York und Wien. Lebt heute in Bronshoj, Kopenhagen, zwei Töchter. Gehört zu den bekanntesten Schriftstellern DänemarksAnmerkungen:
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