Kjell Westö: Vom Risiko, ein Skrake zu sein drucken

Kjell Westö

Vom Risiko, ein Skrake zu sein

Roman
  • Buch i
  • Erscheinungstermin: 15.7.2007
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Detailinformationen

  • btb Taschenbuch, 07/2007
  • Originaltitel: Vadan av att vara Skrake
  • Einband: Kartoniert / Broschiert
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 9783442736577
  • Bestellnummer: 2876300
  • Autor: Kjell Westö
  • Übersetzung: Paul Berf
  • Umfang: 447 Seiten
  • Gewicht: 357 g
  • Maße: 186 x 121 mm
  • Stärke: 32 mm

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Beschreibung

Witzig, anrührend, vielschichtig: Ein burlesker Familienroman von einem der bekanntesten finnlandschwedischen Autoren.
1952 ist ein denkwürdiges Jahr in der finnischen Geschichte: In Helsinki findet die Olympiade statt, Coca-Cola wird auf den Markt gebracht, und die finnische Schönheitskönigin Armi Kuusela wird Miss Universum. Der junge Werner Skrake, gerade von einem Studienaufenthalt in den USA zurückgekehrt, erhält den ehrenvollen Auftrag, am Tag der Markteinführung einen der Coca-Cola-Wagen zu fahren, bringt sich und seine Nachfahren jedoch für immer in Verruf, als er von der Straße abkommt und seine gesamte kostbare Last zu Bruch geht, was in allen großen Zeitungen bildlich festgehalten wird. Werners Sohn Wiktor Juri Ansgar - benannt nach dem Kosmonauten Gagarin und Ich-Erzähler dieses Romans - muss sich noch Jahrzehnte später spitze Bemerkungen über den Vorfall anhören. Er selbst fasst das Leben seines Vaters gerne mit dem Begriff "metjty" zusammen, was im Finnlandschwedischen bedeutet, "in allem, was man sich vornimmt, zu scheitern, eine Fähigkeit, die nicht mehr und nicht weniger als ein Schicksal ist".
Kjell Westö hat ein berührendes Buch über Väter und Söhne geschrieben, einen wunderbaren Generationen übergreifenden Familienroman, in dem sich die bewegte Geschichte Finnlands spiegelt und in dem im Burlesken stets ein wehmütiger Unterton mitschwingt.

Rezension

"Nachdenklich und mit leisem Humor erzählt Westö, berührt große Themen wie Relativität der Geschichte und die Manipulation der Erinnerung, aber alle Erzählungen kreisen immer auch um das Verhältnis zwischen Wiktor und seinem Vater, um das, was Väter und Söhne einander bedeuten und was sie mitunter versäumen, einander rechtzeitig zu sagen." Neue Zürcher Zeitung

Klappentext

"Dieses Buch ist mein Versuch, das 20. Jahrhundert Finnlands anhand einer Familie einzufangen, deren Männer Spezialisten darin sind, am falschen Ort zur falschen Zeit das Falsche zu tun." Kjell Westö

1952 ist ein denkwürdiges Jahr in Finnland: In Helsinki findet die Olympiade statt, Coca-Cola kommt auf den Markt und die finnische Schönheitskönigin wird Miss Universum. Man sollte annehmen, dass in einem solchen Jahr selbst für die Familie Skrake - deren männliche Linie das Ungeschick gepachtet zu haben scheint - alles glatt laufen sollte. Weit gefehlt: Am Tag der feierlichen Cola-Parade kippt Werner Skrake versehentlich einen Laster der kostbaren Fracht um - sein Sohn Wiktor hat noch Jahre später mit der Familienschmach zu kämpfen ...

Auszüge aus dem Buch

Gestern wehte der Wind aus Südost, und gegen Abend schenkte mir das Meer eine Lachsforelle. Es war ein wolkenverhangener und grauer Tag gewesen, doch in den letzten Stunden war der Himmel klar. Der Fisch war nicht sonderlich groß, anderthalb Kilo vielleicht, aber wild und kraftvoll. Er biss an, als die Sonne hinter Helsingfors gerade in einer kühlen Kaskade aus Rot unterging, und als er um seine Freiheit und sein Leben schwamm und sprang, glitzerte es wie Feuer in seinen silbrigen Schuppen. Auch der Blinker, den ich benutzte, war rot, mit schwarzen Querstreifen, denn wenn ich bei Sonnenuntergang fische, hallen stets Werners Worte in mir wider: Bei klarem Wetter musst du in der letzten Stunde Rot oder Orange benutzen. Außerdem biss der Fisch bei Ryssgrynnan an, südlich von Hästkobben, genau dort, wo ich es Werners Worten zufolge stets dann versuchen sollte, wenn es Frühling war und der Wind aus südöstlicher Richtung kam. Und ich sagte mir: Erstaunlich, dass die Methode noch immer funktioniert, obwohl mehr als dreißig Jahre vergangen sind, seit Werner mir das Fischen beibrachte. Als ich über die R bergabucht zurückfuhr und das Boot neben den Überresten von Östermans Sauna an Land zog (ich bin kein Mitglied im R berga Bootsclub und darf darum dessen Jachthafen nicht benutzen), dämmerte es bereits. Ich fädelte einen Zweig durch die Kiemen der Lachsforelle und trug sie auf althergebrachte Art, ich ging im sachte dunkler werdenden Abend den R bergaväg hinab, ich roch den Duft aus Meer und Erde und Nadelbäumen, und genau das war der Moment, in dem mir bewusst wurde: Ich bin tatsächlich wieder zurückgezogen. Es gibt vieles, das in R berga anders ist als früher. Den Jachthafen habe ich bereits erwähnt: Die Betonpiere und ein Zaun aus Leichtmetall haben schon vor langer Zeit den ausgedienten Dampfschiffanleger ersetzt, an dem unser Boot immer vertäut lag. Und Tistelskär und Kalvholmen sind erschlossen worden, auf jeder Lichtung steht ein Holzhäuschen, vor den Häuschen befinden sich sorgsam gepflegte Gärten, in den Blumenbeeten heben Gipslöwen und Gipsgriechen ihre möchtegernantiken Köpfe, und zur Sommerzeit werden die Rasenflächen von Sitzgruppen aus weißem Plastik bevölkert. Sowohl draußen bei den kleinen Inseln als auch am Ufer von R berga sind die Ufersteine mit glitschigen Algen bewachsen. Auch der Blasentang ist mit Algen bedeckt, und man kann vielleicht gerade mal halb so tief sehen wie früher. Am Südhang der R bergaanhöhe stehen mehr Häuser als früher, die diskret hockenden Backsteinhäuser haben Konkurrenz von protzigen baiserartigen Privatschlössern bekommen. Und auf der Kuppe der Anhöhe, direkt neben dem Platz der vier Himmelsrichtungen, steht ein achtzig Meter hoher Wasserturm, ein riesiger Betonpilz, der R berga und Österkulla und Teile von Nordsjö versorgt und bei klarem Wetter noch von der Küste Estlands aus zu sehen sein soll. Nördlich der Anhöhe, im eigentlichen Dorf, sind die meisten Gebäude neu. Das Haus der Skalpiertante, in dem auch das Postamt untergebracht war, ist ebenso verschwunden wie Östermans Laden und die große, jedoch undichte Holzvilla der Freiwilligen Feuerwehr, deren Boden knarrte und in der die Kirche für uns Kinder einen Mittwochsclub organisierte. Stattdessen wird das Dorf von einem hektargroßen Sparmarkt und einem vierstöckigen Glasgebäude dominiert, das irgendwann in den Achtzigerjahren von einem Spekulanten aus Helsingfors erbaut und später von Nokia übernommen wurde.

Biografie (Kjell Westö):

Kjell Westö ist einer der bekanntesten nordischen Autoren der jüngeren Generation, geboren 1961 in Helsinki, wo er heute noch lebt. Er hat Gedichtsammlungen, mehrere Bände mit Erzählungen und Romane veröffentlicht. Kjell Westö ist vielfach preisgekrönt. Er arbeitet an Übersetzungen in zahlreiche Sprachen.

Biografie (Paul Berf):

Paul Berf, geb. 1963 in Frechen bei Köln, lebt nach seinem Skandinavistikstudium als freier Übersetzer in Köln. Er übertrug u. a. Henning Mankell, KjellWestö, Aris Fioretos und Selma Lagerlöf ins Deutsche. 2005 wurde er mit dem Übersetzerpreis der Schwedischen Akademie ausgezeichnet.

Autor(en):

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