Jason Roberts: Die ganze Welt im Sinn, Fester Einband
Die ganze Welt im Sinn
- Originaltitel: A Sense of the World. How a Blind Man Became History's Greatest Traveler
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- Verlag:
- Blessing, 03/2009
- Einband:
- Fester Einband
- ISBN-13:
- 9783896673725
- Copyright-Jahr:
- 2009
- Gewicht:
- 772 g
- Maße:
- 221 x 146 mm
- Stärke:
- 47 mm
- Erscheinungstermin:
- 16.3.2009
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Beschreibung
England 1811. Als Kind hatte er davon geträumt, die ganze Welt zu sehen, als Zwölfjähriger trat er in den Dienst der Royal Navy. Kaum erwachsen geworden, erblindet James Holman vollständig. Doch anstatt sich in das Schicksal eines bettelnden Invaliden zu fügen, erfüllt er sich seinen Traum und schreibt Geschichte. Auf sich allein gestellt bereist Holman sämtliche Kontinente und avanciert zur herausragenden Figur des ausgehenden Entdeckerzeitalters.
Obwohl er sie nicht sehen konnte, erlebte James Holman so viel von der Welt wie kaum ein Mensch vor ihm. Er bestieg den Vesuv während eines Ausbruchs und erfror beinahe in sibirischer Gefangenschaft, er jagte wilde Elefanten auf Ceylon und Sklavenhändler vor der afrikanischen Küste. Anderthalb Mal umrundete Holman den Globus, der Schiffsjunge aus Exeter wurde gefeierter Autor, respektierter Wissenschaftler und Günstling des britischen Königshauses, der Charles Darwin und Richard Burton zu seinen Bewunderern zählte. Zu einer Zeit, da die Weltkarten noch mehr weiße Flecken als gesicherte Erkenntnisse aufwiesen, nahm der "Blinde Reisende" stoisch jede Strapaze auf sich, um per Schiff, zu Pferde und vor allem zu Fuß das Unbekannte und Entlegene zu erkunden. Wo andere zeitgenössische Entdecker verdreckte Wilde, exotische Käferarten und unbenannte Berggipfel vorzufinden meinten, lernte Holman fremde Sprachen, Freunde fürs Leben und sich selbst kennen. Die Sehnsucht nach Freiheit und Individualität, eine einsame Seele, die sich wider alle Vernunft einen Weg bahnt: Mit seinem international erfolgreichen ersten Buch legt Jason Roberts nicht nur eine einfühlsame und erstaunliche Biografie vor, sondern auch ein tiefenscharfes Panoramabild der Romantik.
Nominiert für den National Book Critics Circle Award und den Guardian First Book Award.
Auszüge aus dem Buch
DIE WELT UND IHRE VIELFÄLTIGEN FREUDEN
Sämtliche Fakten, Beschreibungen, selbst die Dialoge auf diesen Seiten sind ausnahmslos den historischen Aufzeichnungen entnommen. Die Geschichte mag an manchen Stellen unwahrscheinlich anmuten, aber sie ist wahr.
Bis zur Erfindung der Verbrennungsmaschine war der am weitesten gereiste Mann der Geschichte zugleich derjenige, dem man dies am wenigsten zugetraut hätte. In mancher Hinsicht war James Holman, Jahrgang 1786, der Inbegriff des Weltentdeckers: eine kühne Mischung aus Disziplin, Wagemut und Kompetenz, Knight of Windsor, Mitglied der Royal Society und Erfolgsautor. Was man darüber beinahe vergessen konnte: Er war zeitweilig gelähmt und dauerhaft erblindet.
Er reiste allein. Er bereiste ein fremdes Land nach dem anderen, ohne ein einziges Wort der dortigen Sprache zu kennen. Er hatte so wenig Geld, dass er nach Art der Einheimischen reisen musste, in Postkutschen, auf Bauernwagen, zu Pferde und zu Fuß. Trotzdem "hat er den Erdball ausgiebiger bereist als jeder andere Reisende vor ihm", wie ein Journalist seiner Zeit es ausdrückte, "und seine Gegenden dabei so gründlich erkundet wie die intelligentesten und klarsichtigsten seiner Vorgänger, vielleicht sogar gründlicher."
Zu einer Zeit, als man Blinde gemeinhin noch in Anstalten verwahrte, studierte Holman in Edinburgh Medizin, kämpfte in Afrika (wo der Holman River nach ihm benannt wurde) gegen den Sklavenhandel, machte in Ceylon Jagd auf böswillige Elefantenbullen und überlebte eine eisige Gefangenschaft in Sibirien. In Äquatorialguinea half er, das Rätsel der dortigen Eingeborenensprache zu lösen und verhinderte ganz nebenbei ein Blutvergießen. Charles Darwin zitiert ihn in Die Fahrt der Beagle als Experten für die Fauna des Indischen Ozeans. Sir Richard Francis Burton (der jahrelang auf Holmans Spuren gereist ist) zollt dem Mann und seinem Ruhm Tribut, indem er in seinen Erläuterungen zu Tausendundeine Nacht von ihm als dem Blinden Reisenden spricht.
Man pries James Holman zu Recht als "eines der größten Wunder der Welt, die er mit so viel Klugheit erkundete". Aber so erstaunlich seine Leistung war, so erstaunlich ist es, wie schnell er wieder vergessen wurde. Seine Vereinnahmung durch die Öffentlichkeit, von Sensationslust stärker angetrieben als von ehrlicher Wertschätzung, sollte nicht von Dauer sein. Kritiker verwarfen seine literarischen und wissenschaftlichen Ambitionen als "Ungereimtheiten an der Grenze zur Absurdität". Ein erbitterter Gegner, auch er ein Berufsabenteurer, dessen Expedition vor Holmans verblasste, sprach ein Verdikt aus, das sich in der öffentlichen Wahrnehmung festsetzte: Seine Blindheit ließ echte Einsichten nicht zu. Er mochte in Sansibar gewesen sein, aber wie konnte ein blinder Reisender behaupten, Sansibar zu kennen? Zwar selten angezweifelt (seine Fakten waren aus erster Hand exakt und unwiderlegbar) wurde er doch zunehmend ignoriert.
Die Bewunderung verblasste, gerann zu Spott, aber das focht Holman nicht an. Verarmt, immer schäbiger anzusehen und nach wie vor bei schwacher Gesundheit, setzte er seine Alleinreisen fort, auch als seine Werke nicht wieder aufgelegt wurden und seine neuen Arbeiten unveröffentlicht blieben. Die wenigen unerschütterlichen Bewunderer hörten nichts mehr von ihm und mussten vermuten, dass er in einem fernen Winkel der Erde vom Tod ereilt worden war.
Sein wirkliches Ende kam plötzlich, in einer skandalträchtig unpassenden Ecke Londons und riss ihn aus seiner leidenschaftlichen Arbeit ebenso heraus wie aus den Planungen für weitere Reisen. Holman träumte davon, dass spätere Generationen sein Lebenswerk zu würdigen wüssten, doch die bekamen gar nicht erst die Gelegenheit. Seine reichhaltige Sammlung von Artefakten wurde in alle Winde verstreut und weggeworfen, seine Manuskripte wurden zerstört oder gingen verloren. Wenn ihm überhaupt so etwas wie ein Denkmal gesetzt wurde, dann in Form einer kurzen biografischen Skizze in der Ency