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Alexander Granach
Da geht ein Mensch
Autobiographischer Roman
Detailinformationen
Anmerkungen
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Kurzbeschreibung
Der grandiose Roman von einem der größten expressionistischen SchauspielerAlexander Granach beschreibt mit atemberaubendem erzählerischem Talent seine Kindheit und Jugend in Galizien, seine Karriere als Schauspieler im Berlin der 20er Jahre und schließlich seine Zeit als österreichischer Soldat im Ersten Weltkrieg. Das Buch erschien 1945 in einem schwedischen Exilverlag in deutscher Sprache.
Rezension
"Das Buch ist eine der großen deutschen Autobiographien. Es ist weise und wild, traurig und steckt voller verwandelndem Witz. Es ist klug und poetisch geschrieben und verrät nur hin und wieder etwas von der Passion, Werbowitz lebendig zu machen in Berlin, New York und Wien, davon daß Fremde nicht Heimatlosigkeit bedeutet." (Peter Härtling)Klappentext
Vom Bäckergesellen zum gefeierten Theaterstar - der unglaubliche Lebensweg des Alexander Granach.Alexander Granachs Lebensweg ist beispiellos. Das neunte Kind einer jüdischen Bauersfamilie kämpft sich mit atemberaubender Vitalität und großem Improvisationstalent aus der galizischen Provinz bis nach Berlin, wo es ihm gelingt, an Max Reinhardts Schauspielschule zugelassen zu werden. Der erste Weltkrieg, an dem er als Soldat teilnimmt, kann die glänzende Karriere Granachs zum gefeierten Theater- und Stummfilmstar nur aufschieben, nicht verhindern. In der Emigration in den USA schreibt er seine mitreißenden und anrührenden Erinnerungen.
Auszüge aus dem Buch
Da war sie, die Kraft aus dem Osten, von der sich Franz Kafka für das bereits entleerte, traditionslose Westjudentum Stärkung erhoffte. 1910 war er im Café Savoy auf eine in Prag gastierende Lemberger jiddische Theatertruppe getroffen, deren Vitalität und Ursprünglichkeit, deren »talmudische Melodie genauer Fragen, Beschwörungen oder Erklärungen« den Autor vollends in den Bann zog. Als eine Schauspielerin ihre Ansprache mit »jüdische Kinderlach« begann, »ging mir ein Zittern über die Wangen«, wie der Tagebucheintrag vom 5. Oktober 1911 vermerkt. / Auch Alexander Granachs erste Begegnung mit dem jiddischen Theater 1905 in Lemberg, wohin er sich als 14-Jähriger abgesetzt hatte, sollte über seinen Lebensweg entscheiden. / »Hier ... vor Deinen Augen, in drei kurzen Stunden, verändern sich Menschen und Welten und das ganze Leben! Welch ein zauberisches Wunder!!! ... Das ist die Welt, wo ich hingehöre!« Und in der Tat, der jüdische Bäckerjunge aus dem galizischen Schtetl Werbowitz, dann der jüdische Proletarier in Lemberg, hat sich mit grandioser Willensstärke und unerschöpflicher Neugierde hochgearbeitet bis zum genialen Schauspieler auf den großen Bühnen Berlins. In der Emigration, ohne Geld in den USA angekommen, schafft er es zu einem der großen Charakterdarsteller des Hollywoodfilms. / Auf all seinen Stationen hat er jedoch nie vergessen, woher er kam: Aus der in sich geschlossenen Welt des Schtetls, wo die jüdischen Gesetzesvorschriften das Leben bestimmten, die Armut und der Kindersegen groß waren, jeder Tag von neuem den Kampf ums Überleben brachte. Das Elend konnte noch so bedrückend sein, der tiefe Glaube verließ die Menschen nicht. Gottergeben standen sie in all der Not und inmitten einer feindlichen Umgebung zusammen. Auch Alexander Granach, der Sohn des Händlers und Bäckers Aaron Gronich, war fromm erzogen worden, »mit großer Ehrfurcht vor Gottes Welt« und der »Heiligkeit des Wortes«. Die Religiosität half, von den drückenden Verhältnissen Abstand zu gewinnen. Distanznahme bedeutete immer auch, die Verhältnisse zu transzendieren, sich zumindest eine spirituelle Gegenwelt aufzubauen. Um Weltflucht handelte es sich dabei nicht. Wirklichkeitsnähe und Realitätssinn zählen in der jüdischen Existenz zu den Überlebensprinzipien schlechthin. Früh eingeübt, zunächst als religiöse Praxis, hat sich die Transzendierung des Bestehenden zu einem Instrumentarium verselbstständigt, das für die jüdische Kultur so typisch geworden ist. »Wann singt ein Jude?« fragt man. »Er singt, wenn er hungrig ist.« Und bei solchen Bedingungen gab es natürlich immer Gesang. Wusste kein Rebbe mehr Rat und kein Ausweg war in Sicht, gebar das Leid einen Witz oder wusste eine jener unzähligen Parabeln zu erzählen, die es zu ertragen halfen. Der Mangel beflügelte die Phantasie, in den Schtetls hatten Wunderrabbis Hochkonjunktur, die Welt war voller Geschichten und begnadeter Erzähler. Mit Humor ließ sich ein Perspektivwechsel vollziehen. / Dermaßen ausgestattet war auch der Ostjude Alexander Granach, der mit sechs Jahren in der Bäckerei seines Vaters mitgearbeitet hatte, mit zwölf Jahren auf die Wanderschaft ging, mit vierzehn Jahren zum ersten Mal Theater in Lemberg sah; mit sechzehn Jahren kam er nach Berlin, mit siebzehn Jahren zu Max Reinhardt, mit vierundzwanzig Jahren ging er in den Krieg, mit achtundzwanzig Jahren spielte er den Shylock in München. So lakonisch beginnt Granach anlässlich einer Lesung aus seiner Autobiographie in New York über sich zu erzählen. Die gelehrsamen Zitate aus Talmud und Thora, die Fabelgestalten seiner Kindheit, die Spaßmacher und Possenreißer, die Purimspiele und die Wunderwelt des Schtetls, den Geruch von Galiziens Erde mit seinen »verträumten Wäldern« nahm er mit in die »überwirkliche Wirklichkeit« auf die Bühnen der Metropolen. Das war der Nährboden seiner unwiderstehlichen Kraft, die sich auf alle, die ihm begegneten, übertrug.

