Der falsche Inder
Roman. Ausgezeichnet mit dem Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis 2010
- Buch

- Erscheinungstermin: 1.9.2008
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Detailinformationen
Anmerkungen
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Beschreibung
Ein geheimnisvolles arabisches Manuskript im ICE Berlin-München, das niemandem zu gehören scheint und worin acht Mal auf verschiedene Weise die Lebensgeschichte desjenigen erzählt wird, der es zufällig findet und liest. Dieses Romandebüt handelt von der Flucht eines jungen Irakers, der unter Saddam Hussein im Gefängnis saß und vor Krieg und Unterdrückung flieht, sich in mehreren Ländern als Hauslehrer, Gelegenheitsarbeiter, Kellner durchschlägt; der vom Unglück verfolgt scheint und doch immer wieder auf wundersame Weise gerettet wird. Auf seiner Reise durch Nordafrika und Europa trifft er viele andere Flüchtlinge aus aller Welt, die wie er auf der Suche nach einem Leben ohne Hunger und Krieg sind und dafür sehr viel opfern. Ihre Stimmen und Schicksale verbinden sich in Khiders Roman zu einem modernen realistischen Märchen.
Abbas Khider verbindet das Tragische mit dem Komischen, das Groteske mit dem Alltäglichen, die Exotik des Orients mit den Lebenserfahrungen eines Flüchtlings. Er beeindruckt durch seinen ungeschönten Blick und die Beiläufigkeit, mit der er vom Elend wie von Wundern erzählt.
Klappentext
Rasul Hamid, der Held aus Abbas Khiders Debütroman, flieht aus dem Irak. Seine jahrelange Odyssee führt ihn, den jeder fälschlich für einen Inder hält, über Jordanien, Libyen, Tunesien, die Türkei, Griechenland und Italien nach Deutschland. Unter dem lakonischen und beinahe heiteren Erzählton verbergen sich die Schrecken des Flüchtlingsdaseins und die Probleme eines Illegalen. Ein Roman mit starken autobiografischen Elementen.
Auszüge aus dem Buch
"Mit neunzehn Jahren wurde ich ins Gefängnis gesteckt. Dort gab es unzählige Wände, die ich vollschreiben konnte. Eigentlich gab es nur Wände. Fenster war ein Fremdwort. Wie Sonne und Frauen. Man konnte nur erahnen, dass es irgendwo da draußen Sonne geben musste. Auf dieser dunklen Seite der Erde habe ich den ersten Vers gelesen. Er stand in meiner ers ten Zelle an der Wand:"Das Gefängnis ist für mich eine Ehre, die Fessel ein Fußband und der Galgen die Schaukel der Helden."Sein Verfasser musste jede Hoffnung schon verloren haben. Ich bekam es mit der Angst zu tun. Damals hatte ich keineswegs die Absicht, als Held am Galgen zu enden. Nach einem Jahr schrieb ich denselben Vers in einer anderen Zelle und dachte nichts dabei. An den Wänden stand einfach alles geschrieben. Man konnte viel Zeit damit verbringen, die Weltanschauung einzelner Gefangener zu erkunden, ebenso ihre ethnische oder religiöse Zugehörigkeit."Arbeiter der Welt, vereinigt euch!"- Das war ein Kommunist."Kurdistan soll frei sein!"- Ein Kurde."Gott schütze die Gläubigen!"- Ein Religiöser."Komm, Heiliger Al-Mahdi, rette die Erde!"- Ein Schiit."Ich will zu meiner Mama."- Einer wie ich, der keine Ahnung hatte, warum er da war."
Biografie:
Abbas Khider wurde 1973 in Bagdad geboren. 1996 floh er nach einer Verurteilung aufgrund "politischer Gründe" und nach einer zweijährigen Gefängnisstrafe aus dem Irak. Von 1996 bis 1999 hielt er sich als illegaler Flüchtling in verschiedenen Ländern auf, seit 2000 lebt er in Deutschland. Studium der Philosophie und Literaturwissenschaft in München und Potsdam. Lyrik in verschiedenen Publikationen. Zurzeit lebt Abbas Khider in Berlin.